Aktivitäten 2011

2011 konnten insgesamt 12 Veranstaltungen – vom Vortrag über die Führung bis zur Buchpräsentation – angeboten werden.

Weiters konnte von 12.–14.Oktober 2011 gemeinsam mit dem Institut für österr. Geschichtsforschung und dem Wiener Stadt- und Landesarchiv eine dreitägige internationale Tagung durchgeführt werden. 15 ReferentInnen aus Deutschland, der Schweiz, Tschechien, Ungarn und Österreich – darunter gleich fünf Mitglieder des Vereinsvorstandes – beleuchteten das Thema „Rathäuser als multifunktionale Räume der Repräsentation, der Parteiungen und des Geheimnisses“ aus den verschiedensten Blickwinkeln. Die Beiträge, die Aspekte der zeitlichen und örtlichen Verteilung, der Funktionalitäten in rechtlicher, repräsentativer, wie in wirtschaftlicher Hinsicht, aber auch individuelle Einzelaspekte behandelten, werden voraussichtlich noch 2012 in den Forschungen und Beiträgen zur Wiener Stadtgeschichte veröffentlicht werden.

Die drei etablierten Publikationsreihen des Vereins wurden fortgeführt. In den 2011 erschienenen 4 Heften und 5 Beiheften der Wiener Geschichtsblätter sind neben zahlreichen anderen Themen mehrere Beiträge zu wirtschaftsgeschichtlichen Problemen hervorzuheben. So betrachtete der Wirtschaftswissenschaftler und zuletzt stellvertretende Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung Felix Butschek Wien als Motor der österreichischen Wirtschaftsentwicklung. Der Beitrag von Martin Pollner über Camillo Castiglioni. Ein Lebensbild verdient insbesondere vor dem Hintergrund der Finanzkrise besondere Beachtung. Das Wiener Frag- und Kundschaftsamt als stelle der Informationsvermittlung, vor allem auch im Interesse der Wirtschaft, und seine letztlich ambivalent eingeschätzte Tätigkeit betrachtete Anton Tantner. Das Beiheft von Andreas Weigl, Hinter den Kulissen des Wirtschaftswunders. Kommunale Wirtschaftspolitik im „goldenen Zeitalter“ 1953 bis 1973, entstand als Begleitheft zu einer Ausstellung des Wiener Stadt- und Landesarchivs. Der gleichen Zusammenarbeit verdankt sich das Beiheft von Klaralinda Ma-Kircher und Karin Winter, Emanzen, Ikonen und andere Frauen, das sich mit der Entwicklung der Frauenbewegung in Wien befasst, und jenes von Paul Rachler und Wladimir Aichelburg, das anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Künstlerhaus das Künstlerhausarchiv vorstellt. Zwei weitere Beihefte präsentieren die Bezirksmuseen Otakring und Mariahilf.

Der Doppelband 2006/2007 der Studien zur Wiener Geschichte. Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien verkleinert die in der Erscheinungsweise entstandene Lücke etwas. Besonders hinzuweisen ist hier auf den Beitrag von John W. Boyer, The “Collectivism of Democracy“: Mass Politics in Vienna and Chicago, 1890 to 1918, in dem das Aufkommen der politischen Massenbewegungen in diesen beiden Städten verglichen wird. Die Arbeit von Richard C. Hoffmann und Christoph Sonnlechner, Vom Archivobjekt zum Umweltschutz: Maximilians Patent über das Fischereiwesen von 1506 befasst sich eingehend mit Inhalt und Entstehung dieser Urkunde in rechtlicher wie diplomatischer Hinsicht und stellt sie gleichzeitig in einen umweltgeschichtlichen Zusammenhang. Leen Meganck fragt Little “Red Vienna“? The creation of a “Red Ghent“ (Belgium) in the interwar period, und zeigt die Orientierung der Sozialdemokratie an der Entwicklung in Wien auf. Rouven Pons ediert das Diario di Vienna. Das Wiener Tagebuch des Mailänder Gesandten Martini von Martinsberg 1697/98, das zahlreiche sozial- und kulturgeschichtliche Hinweise enthält und die am Wiener Hof vorhandenen personellen Netzwerke darlegt. Der Beitrag von Andreas Weigl, „Zum Geburtstag wünschte ich mir Bananen“, untersuchte Aspekte zur Ernährung Wiener Schulkinder in der Zwischenkriegszeit.

In der Monographienreihe Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte konnte ein Handbuch des Hofrats am Verwaltungsgerichtshof Alfred Waldstätten, Staatliche Gerichte in Wien seit Maria Theresia. Beiträge zu ihrer Geschichte, erscheinen. Es zeigt, wie die heutige Wiener Gerichtsorganisation, aufbauend auf früheren Strukturen, in ihren wesentlichen Grundzügen in den Jahren 1848 bis 1854 geschaffen, seither aber vielfach stark verändert wurde.

Infolge einer Kooperation mit der Wienbibliothek im Rathaus konnte auch der Band Die Vermessung Wiens. Lehmanns Adressbücher 1859–1942 den Vereinsmitgliedern zur Verfügung gestellt werden.

Mit dem zweiten Band von Wien: Musikgeschichte, in dem 9 Autoren die Entwicklung der Musik in Wien von der Urgeschichte bis zur Gegenwart darlegen, konnte ein schon länger laufendes Projekt abgeschlossen werden (der erste Band zu Wienerlied und Volksmusik war bereits 2006 erschienen). Damit stehen nun im Rahmen der umfassend angelegten Geschichte der Stadt Wien, die der Verein herausbringt, bereits die Bände 6 und 7 der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zur Verfügung.

Unter der Projektleitung von Univ.-Doz. Dr. Siegfried Mattl und in Kooperation mit dem Wiener Stadt- und Landesarchiv sowie mit besonderer Unterstützung durch das Wissenschaftsreferat der Stadt Wien konnte das zukunftsweisende Projekt Sicherung und Aufarbeitung des Filmarchivbestandes media wien begonnen werden. Dieses Filmarchiv enthält Filmaufnahmen der Jahre 1908 bis 1979 (1952–1968 führte die Stadt Wien eine Filmoffensive mit Auftragsfilmen durch) und war erst im Jänner 2011 durch das Wiener Stadt- und Landesarchiv übernommen worden. Dieser Bestand stellt eine im Vergleich mit anderen europäischen Großstädten einzigartige, höchst wertvolle Sammlung zur visuellen Dokumentation der Stadtentwicklung und des Stadtmarketings dar. Der Verbund von Gebrauchsfilmen, Dokumentationen und Spielfilmen, der in diesem Sammlungsbestand vorliegt und bisher aus keinem anderen Filmarchiv bekannt ist, bildet die einmalige Voraussetzung zur systematischen Rekonstruktion des Verhältnisses von Stadt, Medien und Repräsentation. Das Projekt bezweckt die Bewertung und Sicherung dieses Filmbestandes nach kultur- und archivwissenschaftlichen Kriterien und die wissenschaftlich möglichst exakte Erschließung im Sinne der Stadt- und Kulturgeschichte. Diese Bewertung und Erschließung soll zugleich die Grundlagen für die Prioritätensetzung bei der Sicherung und für eine sukzessive Zugänglichmachung der Filme für die Öffentlichkeit durch Digitalisierung in entsprechender Qualität erarbeiten. Die Klärung rechtlicher und technischer Fragen war dabei ebenso notwendig wie die Abstimmung der filmischen Erschließungskategorien auf Grundlage der Konventionen der DCMI (Dublin Core Metadata Initiative) mit den Standards des Wiener Archivinformationssystems WAIS. Erste Resultate dieses Projekts, das noch ein Jahr laufen soll, liegen bereits vor.