Vereinsgeschichte

Durch die Aufhebung der Klöster durch Josef II. und die napoleonischen Kriege wurden – auch in Wien – viele Kunstschätze zerstört, verschleppt oder ins Ausland verkauft. Das Gefühl des Verlusts sowie zeitgeistiges romantisches Geschichts-
interesse ließen erstmals Fragen zur Stadtgeschichte entstehen, zunächst im Freundeskreis, aber 1853 im „Alterthums-Verein zu Wien“, der sich die Aufgabe stellte, Geschichtsquellen und Denkmale „vor Verwahrlosung und Verschleppung“ zu schützen, ihren Kunstwert zu bestimmen, sie zu erhalten und darüber zu publizieren. In der Folge entstanden umfang- wie ausstattungsmäßig überragende Prachtwerke wie die „Quellen zur Geschichte der Stadt Wien“ oder die mehrbändige „Geschichte der Stadt Wien“. Mit einigen Bänden wurden die Jahre bis 1740 bearbeitet, der Abschluss des Projektes scheiterte an den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Nachkriegszeit. Außerdem wurden praktisch von der Gründung an eine regelmäßig, bis 1918 sogar monatlich erscheinende Zeitschrift als Vorläufer der heutigen Wiener Geschichtsblätter und andere Publikationen herausgegeben.

Bereits 1860 zählte der Verein 460 Mitglieder, der Höchststand wurde vor 1938 im Jahr 1923 mit 549 erreicht. Diese Zahl wurde erst 1965 übertroffen, in den folgenden Jahren stieg der Mitgliederstand auf über 1000 an, wo er sich auch heute noch befindet.

Heute ist der „Verein für Geschichte der Stadt Wien“ – wie er sich seit 1918 nennt – die wichtigste Institution der Wiener Stadtgeschichtsforschung. In seinen Publikationsreihen, dem Jahrbuch „Studien zur Wiener Geschichte“, den renommierten „Wiener Geschichtsblätter“, den „Forschungen und Beiträgen zur Wiener Stadtgeschichte“ und der Reihe der „Geschichte der Stadt Wien“ wurden bislang an die 5700 Einzelstudien zur Stadtgeschichte von WissenschaftlerInnen und geschichtsinteressierten Laien publiziert. Der Verein spricht seit Jahrzehnten mit seinen Aktivitäten, zu denen auch Führungen und Vorträge gehören, alle geschichtsinteressierten BewohnerInnen der Stadt an.