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Vergangene Veranstaltungen

Führung durch die Ausstellung »Geist versus Zeitgeist«. Karl Kraus in der Ersten Republik

Im Ausstellungskabinett der Wienbibliothek ist noch bis 29. März 2019 die Ausstellung „»Geist versus Zeitgeist«. Karl Kraus in der Ersten Republik“ zu sehen. Am 5. Februar 2019 gab es für die Mitglieder des Vereins für Geschichte der Stadt Wien eine Kuratorinnenführung durch diese Ausstellung von Frau Dr.in Katharina Prager (Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Theorie der Biographie).

Karl Kraus (1874–1936) zählt für sie zu den einflussreichsten und sprachgewaltigsten Persönlichkeiten der Wiener Moderne. Dennoch ist er, wie der Bestsellerautor Jonathan Franzen schrieb, eigenartig „fremd“, weil seine Arbeit auf so besondere Weise an längst vergessene Kontroversen und Konflikte der österreichischen und deutschen Zeitgeschichte geknüpft war. Sein scharfer Blick für Phrasen und Lügen wie auch sein erhellender, aufklärerischer Sprachwitz sind allerdings in Zusammenhang mit politischen Entwicklungen und neuen Medien aktuell wie nie zuvor.

Die Ausstellung der Wienbibliothek im Rathaus zeigt den „Zeitkämpfer“ Karl Kraus in der politisch bewegten Periode zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung faschistischer Regimes in Europa.

Frau Dr.in Katharina Prager zeigte Karl Kraus von mehreren Seiten: als Autor unter anderem von 922 Nummern der von ihm herausgegebenen Zeitschrift „Die Fackel“ und des Antikriegsdramas „Die letzten Tage der Menschheit“, als Vortragender bei rund 700 Veranstaltungen, als politischer Geist, der vor allem gegen die Nationalsozialisten kämpfte, und als Privatmann.

Schließlich zeigte sie, wie es gelang, den Großteil des Nachlasses trotz der stürmischen Jahre nach seinem Tod für die Wienbibliothek zu retten.

Zur Person: Dr. Katharina Prager ist Historikerin und Kulturwissenschaftlerin. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Theorie der Biographie / der Wienbibliothek im Rathaus arbeitet sie an der Neuorganisation des komplexen Karl Kraus-Archivs wie auch an der Erstellung einer Online-Biographie von Karl Kraus (www.kraus.wienbibliothek.at).

(Text und Fotos: Alfred Paleczny)


Führung durch die Ausstellung „Die erkämpfte Republik 1918/19 in Fotografien“

Der Fotohistoriker und Publizist Dr. Anton Holzer führte am 24. Jänner 2019 eine große Zahl von Vereinsmitgliedern durch die Ausstellung „Die erkämpfte Republik – 1918/19 in Fotografien“ , bei der er als Kurator tätig ist.

Diese Ausstellung zeigt anhand von Fotos und Plakaten wichtige Ereignisse und Straßenszenen in den dramatischen Monaten zwischen dem November 1918 und dem Jahresende 1919. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fotos des Wiener Richard Hauffe, die teilweise erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden und die zu den bedeutendsten dieser Zeit zählen.  Beginnend mit dem Tag der Ausrufung der Republik am 12. November 1918 werden als wichtige Schwerpunkte die Heimkehr der Soldaten, die Einführung des Frauenwahlrechts, die Massenkundgebungen vor allem am Ring, das Schicksal Kaiser Karls und die Not der Bevölkerung dokumentiert. Durch die hart erkämpfte Aufhebung des Versammlungsverbotes und der Zensur sowie die Demokratisierung des Staates konnte ab 1919 in den Zeitungen wesentlich umfassender und objektiver berichtet werden und dank der Fotografen erreichten die Bilder in den auflagenstarken Illustrierten eine große Zahl von Lesern.

Zur Person:
Dr. Anton Holzer, geboren 1964 in Innichen (Südtirol), Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Philosophie in Innsbruck, Bologna und Wien, Dr. phil., Herausgeber der Zeitschrift „Fotogeschichte“, arbeitet als Fotohistoriker, Publizist und Ausstellungskurator in Wien. Website: http://www.anton-holzer.at/

(Text und Foto: Alfred Paleczny)


Führung durch die Dauerausstellung des Bezirksmuseums Meidling

Mag. Paul Rachler begrüßt im Namen des Vereins die Leiterin des Bezirksmuseums Meidling, Prof.in Dr.in Vladimira Bousska, und die anwesenden Vereinsmitglieder.

Der Vorstand des Vereins für Geschichte der Stadt hat beschlossen, in den nächsten Jahren Führungen durch die Wiener Bezirksmuseen zu organisieren. Diese 23 und demnach in jedem Bezirk bestehenden Museen sind mit fünf Sondermuseen in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, deren Hauptaufgabe die kulturhistorische Darstellung der Entwicklung der ehemaligen Vorstädte und Vororte ist. Neben der Dokumentation der Vergangenheit sehen sie aber auch die Konfrontation mit der Gegenwart als eine wichtige Funktion.

Die erste Führung fand am 16. Jänner 2019 im Bezirksmuseum Meidling statt, wo dessen Leiterin Frau Prof. Dr. Vladimira Bousska viele Vereinsmitglieder begrüßen konnte. Dieses Museum war das erste seiner Art und wurde 1923 als Heimatmuseum gegründet. Es widmet sich auch der Förderung von heimischen Künstlern, die in einer angeschlossenen Galerie ihre Werke ausstellen können. Schwerpunkte des Museums sind neben einigen bedeutenden Funden aus der Römerzeit, wie ein 1853 gefundener Nymphenstein, Erinnerungen an das Handwerk, die Alltagswelt und die Vergnügungsetablissements, von denen der Bezirk mit dem Tivoli, Weigls Dreherpark und dem Meidlinger Theater drei der bedeutendsten beherbergte.

Die nächste Führung durch ein Bezirksmuseum findet im Mai in der Josefstadt statt.

(Text und Foto: Alfred Paleczny)


Kaiserbild und Kaiserkult – Porträts der Habsburger (Buchpräsentation mit Bildbeispielen)

Am 13. Dezember beschäftigte sich der Kunsthistoriker und Buchhändler Mag. Dieter Halama im Vortragsaal des Wiener Stadt- und Landesarchivs mit dem Thema „Das Antlitz einer Dynastie – Habsburg-Lothringische Familienbilder von Maria Theresia bis Franz Joseph I.“ Er zeigte anhand vieler Beispiele von Gemälden, Zeichnungen und Münzen aus den Jahren seit 1740 sowie auch Fotos und Briefmarken aus den Jahren seit 1860, wie sich zwischen Maria Theresia und Karl I. die Darstellung und die Bedeutung sowie der Umgang mit dem Porträt der Herrscher aus dem Haus Habsburg-Lothringen verändert hat. In einem bunten Streifzug durch die letzten beiden Jahrhunderte habsburgischer Landesherrschaft erfuhren die Vereinsmitglieder auch so manches bisher Unbekanntes über wichtige „Randfiguren“ wie Hofmaler und Hoffotografen, den letzten Hofkutscher, oder auch die „Hofbehelliger“, also Menschen, die den Kaisern während ihrer öffentlichen Auftritte Bittschriften übergeben wollten.

Buchcover „Portrait der Habsburger von Theodor Mayerhofer“ (2018)

Außerdem stellte Mag. Halama das Buch „Portraits der Habsburger“ vor, das er und Herbert Ascherbauer herausgegeben haben und in dem die wertvollen, aber in Vergessenheit geratenen Porträtzeichnungen der Habsburger von Theodor Mayerhofer wieder ans Licht gebracht werden. Dieser Wiener Zeichner und Lithograph war Schüler von Eduard von Engerth an der Kunstakademie in Wien, und hat seine Zeichnungen im „Wiener Salonblatt“, einer Zeitschrift, die in Adelskreisen wie im Bürgertum weite Verbreitung fand, veröffentlicht. Das Buch wurde zum Anlass der Ausrufung der Republik Österreich vor 100 Jahren herausgegeben, mit der die 636-jährige Herrschaft des Hauses Habsburg über Österreich und die mit ihm verbundenen Kronländer zu Ende ging. (Text und Foto: Alfred Paleczny)

Zur Person
Dieter Halama beschäftigt sich außerdem sehr intensiv mit der Geschichte des Wienerwaldes und hat dazu einige Publikationen herausgegeben. Zuletzt erschienen: Malerischer Wienerwald – Porträt einer Landschaft im Biedermeier (2012), Pressbaum – Von den Duckhüttlern zur jüngsten Stadt im Wienerwald (2013), Portraits der Habsburger von Theodor Mayerhofer (gemeinsam mit Herbert Ascherbauer, 2017), Gablitz – ein historisches Ortsporträt (2018), Von der Hohen Schule ins Paradies – Eine humoristorische Bildungsreise über den Riederberg (erscheint 2019).


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