VGW Projekte

Vergangene Veranstaltungen

Führung durch das Wiener Looshaus.

Dr. Reinhard Pühringer (Bildmitte).

 

Am 12.Juni 2017 wurde das Sommersemester 2017 mit einer Führung durch das Wiener Looshaus abgeschlossen. Dr. Reinhard Pühringer von der Raiffeisenbank Niederösterreich-Wien stellte seine Führung und seine Ausführungen unter das Thema: „Vom Skandal zum Baudenkmal“. Das zwischen 1909 und 1911 errichtete Haus am Michaelerplatz 2 ist das Hauptwerk von Adolf Loos und zugleich sein erster, bedeutendster und größter ausgeführter städtischer Bau. Das Haus ist durch eine Abkehr vom Historismus und dem sezessionistischen Dekor gekennzeichnet und wurde für den Herrenschneidersalon Goldman & Salatsch erbaut. Allerdings stand das Gebäude wegen des Konkurses der Herrenschneiderei-Firma nur bis 1926 dieser zur Verfügung, die Spuren dieser Zeit sind aber – wie Dr. Pühringer zeigte – heute noch deutlich sichtbar. Nach der Fertigstellung des „Looshauses“ löste die „Nacktheit“ der Fassaden bei den Wienern einen Schock aus, was zu behördlichen zeitweisen Bauunterbrechungen führte. Wegen des Fehlens der damals üblichen Fensterverdachungen nannte man den Bau auch „Haus ohne Augenbrauen“. Nach 1926 wechselten die Nutzer des Gebäudes mehrmals, bis es 1968 vom Raiffeisensektor erworben und bis 1989 einer umfassenden Renovierung unterzogen wurde, die man auch international würdigte.


Wien von oben. Die Stadt auf einen Blick.

Die beiden Kuratoren der Ausstellung, Sándor Bekesi undElke Doppler, vor dem Modell der inneren Stadt von Leopold Fischer, 1852/54. Rechts im Hintergrund der „Huber-Plan“ aus den 1770er Jahren.

Am 24. Mai 2017 führten Mag. Elke Doppler und Dr. Sándor Békesi vom WienMuseum durch die von ihnen kuratierte Ausstellung „Wien von oben. Die Stadt auf einen Blick“. Anders als die letzte groß angelegte Gesamtschau von kartographischen Wien-Darstellungen im Jahr 1995, die die wichtigsten Kategorien und Entwicklungsphasen der Wiener Stadtkartographie, auch entlang von stadthistorisch wichtigen Ereignissen, chronologisch vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart behandelte, bezieht die aktuelle Ausstellung kartographische und künstlerische Darstellungen der Stadt gleichwertig und nach funktionalen Aspekten ein und berücksichtigt ebenso alltagsnahe Verwendungen vom Kitsch über die Werbung bis zur Protestkarte. Ein weiteres Ziel ist es, die Diskussion über die Darstellbarkeit der Stadt, über die Vielfalt und Geschichte solcher Versuche anzuregen.

Die rund 150 Exponate sind in vier Hauptkapitel gegliedert: Vermessen und Darstellen; Repräsentieren und Idealisieren; Beherrschen und Ordnen; Emanzipieren und Experimentieren. Jeder dieser Abschnitte ist in weitere Themenbereiche unterteilt. Begleitend ist ein umfangreicher Katalog erschienen, in dem sämtliche Exponate abgebildet sind. Die empfehlenswerte Ausstellung kann noch bis 17. September besucht werden.


Ganz von den Christen abgesondert? – Jüdische Wohnungen in Wien im 18. Jahrhundert – eine Spurensuche.

Am 11. Mai 2017 referierte wHR Mag. Elisabeth Loinig vom NÖ Institut für Landeskunde  über das Thema „Ganz von den Christen abgesondert? – Jüdische Wohnungen in Wien im 18. Jahrhundert – eine Spurensuche“. Sie berichtete, dass es den Wiener Juden bis in die Zeit nach dem Tod von Kaiser Franz I. nicht erlaubt war, Hauseigentum in der Stadt zu erwerben, und dass unter den Habsburgern des 18. Jahrhunderts verschiedene einschränkende Bestimmungen speziell für diese Glaubensgruppe geschaffen wurden. So mussten die Juden damals ihr Aufenthaltsrecht durch eine eigene Abgabe erkaufen, weil sie sonst nur befristet in der Stadt sein durften. Die damals nur wenigen jüdischen Familien gehörten meist zu den Spitzen der bürgerlichen Gesellschaft, wurden teilweise sogar geadelt und waren führende Bankiers (Oppenheimer, Wertheimer, Eskeles, Arnstein) oder Großindustrielle (Königswarter, Wertheimstein, Todesco) in der Monarchie. Trotzdem mussten sie in gemieteten Gebäuden wohnen. Frau Mag. Loinig präsentierte in ihrem Vortrag damalige Häuser dieser jüdischen Familien und stellte fest, dass sich diese großteils über das Areal der heutigen Innenstadt verteilt befanden, wiewohl man bestrebt war, die Juden auf bestimmte Stadtviertel zu konzentrieren. Ebenso zeigte sie, dass die Juden die diskriminierenden Bestimmungen, die erst durch Josef II. etwas gelockert wurden, vielfach umgehen konnten. Eine Besserung der Lebensverhältnisse für Juden gab es erst nach der Revolution des Jahres 1848.


Die Wiener Philharmoniker im Spannungsfeld der Politik

Der Verein für Geschichte der Stadt Wien konnte am 6. April 2017 mit Prof. Dr. Clemens Hellsberg als Vortragenden einen prominenten Gast begrüßen. Hellsberg stand zwischen 1997 und 2014 an der Spitze der Wiener Philharmoniker und ist mit dieser 17-jährigen Amtszeit der längst dienende Vorstand in der Geschichte dieses Orchesters.  Er stellte den Mitgliedern des Vereins nicht nur seine beiden neuen Bücher („Philharmonische Begegnungen“, Bd. 1 und 2; Verlag Braumüller) vor und signierte im Anschluss an die Veranstaltung einige Exemplare, sondern hielt auch einen hochinteressanten Vortrag zum Thema „Die Wiener Philharmoniker im Spannungsfeld der Politik“. Dabei verwies Hellsberg auf die seit der Gründung des Orchesters im Jahr 1842 durch Otto Nicolai stets erkennbare hohe demokratische Gesinnung der Wiener Philharmoniker. Dieses Hochhalten einer demokratischen Gesinnung konnten auch unterschiedliche weltanschauliche Einstellungen der einzelnen Orchestermitglieder ebenso wenig gefährden, wie auch so manche gegensätzliche Auffassungen bezüglich musikalischer Werke und deren Interpretation.

Clemens Hellsberg versuchte das Thema seines Vortrags anhand unterschiedlicher Episoden aus 175 Jahren Orchestergeschichte zu beleuchten:

  • Nach dem Abgang von Otto Nicolai erlebte das Orchester eine neue Blütephase nach den militärischen Niederlagen von Solferino und Königgrätz, weil für die Wiener damals die Musik als Faktor eines geänderten Lebensgefühls eine wesentliche Rolle spielte.
  • Im Jahr 1917 gab es in Genf bei einem Konzert politische Proteste der francophilen Bevölkerungsgruppen gegen das österreichische Orchester, obwohl die musikalische Leistung akklamiert
  • Zwischen 1933 und 1938 gab es unter anderem durch die erstmalige Einführung von prominenten Gastdirigenten interessante gruppendynamische Prozesse als Antwort auf die politischen Veränderungen, die Hellsberg als Seismograf und Barometer der Stimmung in Österreich bezeichnete.
  • Nach 1938 konnte die Auflösung des Orchesters nur mit Mühe verhindert werden. Einerseits waren mehr als 50% der Orchestermusiker NS-Mitglieder, andererseits zeigte das Orchester unter Wilhelm Jerger während der gesamten nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich wiederholten Widerstand gegen die Rassengesetze der NSDAP.
  • Im Jahr 2000 – während der schwarz-blauen Regierung in Österreich –  mussten die Philharmoniker viel Fingerspitzengefühl hinsichtlich eines Konzerts zeigen, das damals als Gedenkveranstaltung im Steinbruch des ehemaligen KZ in Mauthausen stattfand.

Hellsberg beendet seinen Vortrag mit eine Zitat des verstorbenen Nikolaus Harnoncourt: „Wenn sich nach einem unserer Konzerte die Welt nicht verändert hat, so waren wir nicht gut“.

 


Seite 1 von 1512345...10...Letzte »