VGW Projekte

Vergangene Veranstaltungen

Der Simmeringer Schutzbundprozess 1933

Senatspräsident Dr. Alfred Waldstätten erläutert den Situationsplan.

Am 12. April 2018 präsentierte unser stellvertretender Rechnungsprüfer Senatspräsident Dr. Alfred Waldstätten seine Forschungen zum Simmeringer Schutzbundprozess 1933.
Am 16. Oktober 1932 ereignete sich in Wien-Simmering beim sozialdemokratischen Parteiheim in der Drischützgasse 4 im Zusammenhang mit einem Demonstrationsmarsch von Nationalsozialisten eine Schießerei, die mehrere Opfer forderte. Hieraus ergab sich der so genannte „Simmeringer Schutzbundprozess“. Der komplexe wie unübersichtliche Sachverhalt war Gegenstand einer siebentägigen Hauptverhandlung vor einem Geschworenengericht, die am 21. März 1933 mit einem Freispruch für alle 16 angeklagten Angehörigen des Schutzbundes endete. Das führte einerseits zu einer umgehenden Änderung der gesetzlichen Bestimmungen zur Geschworenengerichtsbarkeit; andererseits wurde über Nichtigkeitsbeschwerde des Staatsanwaltes hinsichtlich der fünf „Hauptangeklagten“ der Freispruch vom Obersten Gerichtshof (insoweit) aufgehoben. Nach Austausch der Anklageschrift wurden diese fünf Angeklagten am 5. Dezember 1933 von einem Schöffengericht zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt, die bereits durch die Untersuchungshaft verbüßt waren (wobei zulässigerweise die vom Gesetz vorgesehene Mindeststrafe unterschritten wurde).


Nebenvorteile und Erbschaften. Zur Geschichte des Wiener Neustädter Kanals in Wien

 

Der stellv. Generalsekretär Dr. Sonnlechner stellt die beiden Referierenden vor: Mag. Mag.(FH) Christina Spitzbart-Glasl und DI Mag. Friedrich Hauer.

Einer der letzten von Vizepräsident Dr. Helmut Kretschmer organisierten Vorträge, der damit nach 27 Jahren die Organisation der Veranstaltungen des Vereins in jüngere Hände übergeben wird, wurde am 8. März 2018 in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Umweltgeschichte (Universität für Bodenkultur Wien) durchgeführt. Mag. Mag.(FH) Christina Spitzbart-Glasl und DI Mag. Friedrich Hauer referierten im wieder einmal überfüllten Vortragssaal des Wiener Stadt- und Landesarchivs zum Thema „Nebenvorteile und Erbschaften. Zur Geschichte des Wiener Neustädter Kanals in Wien“. Dazu gibt es auch einen Beitrag im Heft 2/2017 der Wiener Geschichtsblätter. Im Mittelpunkt des Vortrags standen wie in diesem Artikel nicht die Transportleistungen dieses Kanals, sondern die Wassernutzungen und die noch bestehenden Erinnerungen an diese Wasserstraße. Er ging 1803 in Betrieb, sollte ursprünglich bis Triest führen und endete schließlich an der ungarischen Grenze. Das Wasser des Kanals kam aus dem Einzugsgebiet der Leitha (Schwarza, Pitten), und wurde einerseits öffentlichen Einrichtungen, Grundbesitzern und Unternehmen zur Verfügung gestellt und anderseits energetisch (Wassermühlen, ein kleines Wasserkraftwerk) genutzt. Diese Wassernutzung setzte sich nach der Einstellung des Gütertransports und des Baus der Eisenbahntrasse über dem Kanal bis in die 1930er Jahre fort, weswegen das Wasser ab dem ehemaligen Aspangbahnhof in unterirdischen Rohren in die Stadt geleitet werden musste. Heute erinnert noch die tiefliegende Trasse der Schnellbahn, einige noch bestehende Abschnitte in Niederösterreich und der Eislaufplatz des WEV an dieses Bauwerk, weil sich dieser ursprünglich im zugefrorenen Hafenbecken befand.


„Viel herrlich und schöne Gärten“. 600 Jahre Wiener Gartenkunst

Am 18. Jänner referierte Frau ao. Univ.-Prof. Dr. Eva Berger (Technische Universität Wien) zum Thema „Viel herrlich und schöne Gärten“, das gleichlautend mit dem Titel eines Buches ist, das sie für den Böhlau-Verlag geschrieben hat. Sie spannte dabei einen weiten Bogen über die Wiener Gartenkunst, beginnend mit den Renaissance-Gärten des Neugebäudes über das in Europa wahrscheinlich einzigartige Barockgarten-Ensemble zwischen dem Rennweg und der Prinz-Eugen-Straße (Salesianer, Belvedere, Schwarzenberg) bis zum den Westen Wiens umschließenden Gürtel der Landschaftsgärten zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt. Sie wies dabei auf die Unterschiede zwischen der Gartenkunst der einzelnen Kulturepochen und auf die heute noch bestehenden Reste dieser Anlagen hin. Innerhalb des Rings gibt es neben zwei Klostergärten die im Laufe des 19. Jahrhunderts angelegten Anlagen vor der Hofburg und knapp außerhalb davon den Stadtpark. Frau Dr. Bergers Arbeit ist insofern von großer Wichtigkeit, weil es über die Jahrhunderte alte Gartenkultur kaum Publikationen und Untersuchungen gibt, obwohl die historischen Gärten und Parks wichtige Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte darstellen und zum kulturellen Erbe Wiens gehören, das verstärkter Aufmerksamkeit bedarf.

Vizepräsident Prof. Dr. Helmut Kretschmer präsentierte die Vortragende, Frau Univ.-Prof. Dr. Eva Berger


„Neues zur Wiener Stadtbefestigung aus historisch-archäologischer Sicht“

Am 7. Dezember 2017 referierte Frau Mag.a Heike Krause (Museen der Stadt Wien – Stadtarchäologie) im fast überfüllten Vortragssaal des Wiener Stadt- und Landesarchivs zum Thema „Neues zur Wiener Stadtbefestigung aus historisch-archäologischer Sicht“. Sie zeigte den heute weitgehend rekonstruierbaren Verlauf des römischen Legionslagers, der mittelalterlichen Stadtbefestigung bestehend aus einer Ringmauer mit Toren und Türmen, einem vorgelagerten Graben sowie einer Zwingermauer an der Donaufront und der Festungsanlage zur Zeit der 2. Türkenbelagerung. Der Stadtarchäologie Wien ist es gelungen, durch zahlreiche Grabungen Reste der verschiedenen Ausbauphasen der Stadtbefestigung freizulegen und zu dokumentieren. Frau Maga. Krause präsentierte Grabungsergebnisse der letzten Jahre, die in den Bereichen Wipplingerstraße 33–35 (Stadt-und Zwingermauer, Elendbastion), Weihburggasse (Kontereskarpe, Minengang, Brücke) und auf dem Josef-Meinrad-Platz neben dem heutigen Burgtheater (Löblbastion) durchgeführt wurden. Umfangreiche Schrift- und Bildquellen sowie teilweise erst vor kurzer Zeit entdeckte Pläne wurden für die Interpretation der Überreste herangezogen. Die Ergebnisse der erfolgten interdisziplinären Forschung wurden in einem umfassenden Buch „Von den mittelalterlichen Stadtmauer zur neuzeitlichen Festung Wiens“ publiziert. Die Resultate werden in Kurzform auch auf der Homepage der Stadt Wien „Kulturgut“ unter www.wien.gv.at/kulturportal/public der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


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