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Vergangene Veranstaltungen

Ganz von den Christen abgesondert? – Jüdische Wohnungen in Wien im 18. Jahrhundert – eine Spurensuche.

Am 11. Mai 2017 referierte wHR Mag. Elisabeth Loinig vom NÖ Institut für Landeskunde  über das Thema „Ganz von den Christen abgesondert? – Jüdische Wohnungen in Wien im 18. Jahrhundert – eine Spurensuche“. Sie berichtete, dass es den Wiener Juden bis in die Zeit nach dem Tod von Kaiser Franz I. nicht erlaubt war, Hauseigentum in der Stadt zu erwerben, und dass unter den Habsburgern des 18. Jahrhunderts verschiedene einschränkende Bestimmungen speziell für diese Glaubensgruppe geschaffen wurden. So mussten die Juden damals ihr Aufenthaltsrecht durch eine eigene Abgabe erkaufen, weil sie sonst nur befristet in der Stadt sein durften. Die damals nur wenigen jüdischen Familien gehörten meist zu den Spitzen der bürgerlichen Gesellschaft, wurden teilweise sogar geadelt und waren führende Bankiers (Oppenheimer, Wertheimer, Eskeles, Arnstein) oder Großindustrielle (Königswarter, Wertheimstein, Todesco) in der Monarchie. Trotzdem mussten sie in gemieteten Gebäuden wohnen. Frau Mag. Loinig präsentierte in ihrem Vortrag damalige Häuser dieser jüdischen Familien und stellte fest, dass sich diese großteils über das Areal der heutigen Innenstadt verteilt befanden, wiewohl man bestrebt war, die Juden auf bestimmte Stadtviertel zu konzentrieren. Ebenso zeigte sie, dass die Juden die diskriminierenden Bestimmungen, die erst durch Josef II. etwas gelockert wurden, vielfach umgehen konnten. Eine Besserung der Lebensverhältnisse für Juden gab es erst nach der Revolution des Jahres 1848.


Die Wiener Philharmoniker im Spannungsfeld der Politik

Der Verein für Geschichte der Stadt Wien konnte am 6. April 2017 mit Prof. Dr. Clemens Hellsberg als Vortragenden einen prominenten Gast begrüßen. Hellsberg stand zwischen 1997 und 2014 an der Spitze der Wiener Philharmoniker und ist mit dieser 17-jährigen Amtszeit der längst dienende Vorstand in der Geschichte dieses Orchesters.  Er stellte den Mitgliedern des Vereins nicht nur seine beiden neuen Bücher („Philharmonische Begegnungen“, Bd. 1 und 2; Verlag Braumüller) vor und signierte im Anschluss an die Veranstaltung einige Exemplare, sondern hielt auch einen hochinteressanten Vortrag zum Thema „Die Wiener Philharmoniker im Spannungsfeld der Politik“. Dabei verwies Hellsberg auf die seit der Gründung des Orchesters im Jahr 1842 durch Otto Nicolai stets erkennbare hohe demokratische Gesinnung der Wiener Philharmoniker. Dieses Hochhalten einer demokratischen Gesinnung konnten auch unterschiedliche weltanschauliche Einstellungen der einzelnen Orchestermitglieder ebenso wenig gefährden, wie auch so manche gegensätzliche Auffassungen bezüglich musikalischer Werke und deren Interpretation.

Clemens Hellsberg versuchte das Thema seines Vortrags anhand unterschiedlicher Episoden aus 175 Jahren Orchestergeschichte zu beleuchten:

  • Nach dem Abgang von Otto Nicolai erlebte das Orchester eine neue Blütephase nach den militärischen Niederlagen von Solferino und Königgrätz, weil für die Wiener damals die Musik als Faktor eines geänderten Lebensgefühls eine wesentliche Rolle spielte.
  • Im Jahr 1917 gab es in Genf bei einem Konzert politische Proteste der francophilen Bevölkerungsgruppen gegen das österreichische Orchester, obwohl die musikalische Leistung akklamiert
  • Zwischen 1933 und 1938 gab es unter anderem durch die erstmalige Einführung von prominenten Gastdirigenten interessante gruppendynamische Prozesse als Antwort auf die politischen Veränderungen, die Hellsberg als Seismograf und Barometer der Stimmung in Österreich bezeichnete.
  • Nach 1938 konnte die Auflösung des Orchesters nur mit Mühe verhindert werden. Einerseits waren mehr als 50% der Orchestermusiker NS-Mitglieder, andererseits zeigte das Orchester unter Wilhelm Jerger während der gesamten nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich wiederholten Widerstand gegen die Rassengesetze der NSDAP.
  • Im Jahr 2000 – während der schwarz-blauen Regierung in Österreich –  mussten die Philharmoniker viel Fingerspitzengefühl hinsichtlich eines Konzerts zeigen, das damals als Gedenkveranstaltung im Steinbruch des ehemaligen KZ in Mauthausen stattfand.

Hellsberg beendet seinen Vortrag mit eine Zitat des verstorbenen Nikolaus Harnoncourt: „Wenn sich nach einem unserer Konzerte die Welt nicht verändert hat, so waren wir nicht gut“.

 


Buchpräsentation

Frau Erna Ferstel und Univ.-Prof. Manfred Draudt vor einem Portrait von Alice Frith.

Am 31. März 2017 wurde Band 60 der Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte beim Heurigen Maly in Grinzing, Sandgasse 8, präsentiert: Eine Engländerin in Wien: Das Kriegstagebuch von Miss Alice Frith, August 1944 bis April 1945. Die zweisprachige kritische Ausgabe war von Manfred Draudt, ao. Univ.-Prof. i.R. für Englische Sprache und Literatur, und unserem Vorstandsmitglied Univ.-Doz. Dr. Andreas Weigl herausgegeben worden. Nach der Begrüßung durch Prof. Draudt und den Vereinspräsidenten Dr. Karl Fischer richtete der Bezirksvorsteher von Döbling Adolf Tiller das Wort an die zahlreichen Anwesenden. Frau Erna Ferstel, die Besitzerin des Tagebuches, war mit Alice Frith noch in persönlicher Beziehung gestanden und berichtete sehr berührend darüber. Schließlich sprachen die beiden Herausgeber über das Zustandekommen des Projekts, wobei sie den zahlreichen Mitwirkenden dankten, wie auch über den Inhalt des Tagebuchs.

Die Bezirksvorstehung Döbling hatte die Veranstaltung beim Heurigen Maly (die Weinhauerfamilie Maly wird im Tagebuch mehrfach erwähnt) ausgerichtet, wofür an dieser Stelle herzlich gedankt wird.

Von links: Dr. Karl Fischer (Vereinspräsident), Erna Ferstel (Besitzerin des Tagebuches), Mag. Edgar Patterman (hatte die Rohübersetzungen angefertigt), Univ.-Prof. Manfred Draudt und Univ.-Doz. Andreas Weigl (die beiden Herausgeber des Bandes).


Vollversammlung 2017

Das Präsidium der Vollversammlung: der stv. Generalsekretär Dr. Christoph Sonnlechner, Präsident Dr. Karl Fischer, Generalsekretärin Dr. Susanne Claudine Pils und Kassenverwalter Fritz Buchinger (v.l.)

Am 15. März 2017 hielt der Verein für Geschichte der Stadt Wien im Wappensaal des Wiener Rathauses seine jährliche ordentliche Vollversammlung ab. Die Tagesordnung sah u.a. den Tätigkeitsbericht des Vereins, erstellt durch die Generalsekretärin Dr. Susanne Claudine Pils, sowie den Bericht des Kassenverwalters Fritz Buchinger vor, die von der Vollversammlung einstimmig angenommen wurden. Die beiden Rechnungsprüfer Dkfm. Günter Macht und Prof. Mag. Alfred Paleczny stellten sodann den Antrag auf Entlastung des Vorstandes, was ebenfalls einstimmig angenommen wurde.

Als Höhepunkt der Vollversammlung konnte der Präsident SR. i.R. Dr. Karl Fischer eine Reihe von Ehrungen in feierlichem Rahmen vornehmen:

Der Präsident überreicht Univ.-Prof. Opll die Theodor-Georg-Ritter-von-Karajan-Medaille und die dazugehörige Urkunde.

Zunächst wurde die Theodor-Georg-Ritter-von-Karajan-Medaille an Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Opll, Archivdirektor i.R., überreicht. Dabei handelt es sich um die höchste wissenschaftliche Auszeichnung, die der Verein vergeben kann und die er nur äußerst selten vergibt. Sie wurde 1974 gestiftet und 1978 erstmals verliehen, Dr. Opll ist der siebente Inhaber dieser Medaille, von den vorangegangenen sechs leben noch Ing. Walther Brauneis und Univ.-Prof. Dr. Peter Csendes. Die Laudatio hielt Vorstandsmitglied Univ.-Prof. Mag. Dr. Martin Scheutz vom Institut für Österreichische Geschichtsforschung.

HR i.R. Dr. Hermann Steininger gehört unserem Verein bereits seit 50 Jahren an.

Danach wurden jene langjährigen Mitglieder, die dem Verein bereits seit fünfzig, vierzig oder fünfundzwanzig Jahren angehören, durch die Überreichung der Erinnerungsmedaille in Gold, Silber oder Bronze geehrt.

Minister a.D. Rudolf Hundstorfer ist seit 25 Jahren Mitglied des Vereins für Geschichte der Stadt Wien.

SR i.R. Univ.-Prof. HR Dr. Peter Csendes hielt den Festvortrag

Im Anschluss an den offiziellen Teil der Vollversammlung hielt SR i.R. Univ.-Prof. HR Dr. Peter Csendes, ehemals stellvertretender Leiter des Wiener Stadt- und Landesarchivs, den spannenden Festvortrag zum Thema „Fromme Stiftungen und echte Not. Wiener Lebenswelten im 14. Jahrhundert“.


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