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Vortrag: Nichts als ‚Hausfrauen‘? Geschlecht und Ökonomie im spätmittelalterlichen Wien

Vortragende: Carina Siegl, MA (Institut für Österreichische Geschichtsforschung)

Moderation: Dr. Christoph Sonnlechner

9. April 2026, 17:00, Vortragssaal des Wiener Stadt- und Landesarchivs, Gasometer D, 11., Guglgasse 14 (4. Archivgeschoß; Zugang über Gasometer A und die Mall)

Teilnehmer: max. 80 , Voranmeldung bis spätestens 9.4.2026 über das Anmeldeformular auf unserer Website. Sie erhalten eine Bestätigung per E-Mail.


Plakat zur Veranstaltung

Es mag überraschen: „Hausfrauen“ gehörten zu den aktivsten Akteur*innen der städtischen Wirtschaft im spätmittelalterlichen Wien. Statistische Auswertungen zeigen, dass Ehepaare – in den Quellen als „Hausfrauen“ und „Wirte“ bezeichnet – besonders häufig an Geschäften rechtlicher Art beteiligt waren. Zusammen mit Frauen in anderen Positionen, etwa als Äbtissinnen, machen sie rund ein Drittel der in unserer Projekt-Datenbank erfassten Personen aus.

Im Projekt „Stadt und Gemeinschaft“ an der Universität Wien wurden bisher rund 2000 Urkunden aus den Jahren 1177 bis 1415 systematisch ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass Männer und Frauen in unterschiedlichen Rechtsgeschäften präsent waren, etwa beim Kauf von Weingärten oder bei Stiftungen an Klöster. In diesen Dokumenten treten sie in vielfältigen Funktionen auf. Dadurch lässt sich nicht nur die aktive Rolle von Frauen in der städtischen Ökonomie belegen – entgegen der heutigen Vorstellung einer „Hausfrau“ –, sondern auch Geschlecht als sozialen Faktor im Zusammenspiel mit Kategorien wie Status oder Verwandtschaft untersuchen.

Der Vortrag zeigt anhand dieser Daten und weiterer Forschung zum mittelalterlichen Wien, wie die Verbindung detaillierter Fallstudien („Tiefenbohrungen“) mit überblicksartigen Analysen („Höhenflügen“) unser Verständnis von Geschlechterbeziehungen und städtischen Gemeinschaften erweitert. So wird es möglich, hartnäckige Narrative wie die vermeintliche Passivität von Frauen im Mittelalter zu hinterfragen und zu revidieren – auch im Vergleich mit anderen Regionen Mitteleuropas und darüber hinaus.

Foto: Wien, Neidhart Festsaal, Fresken (Lisa Rastl/Wien Museum)

Zur Person

Carina Siegl ist Prae-Doc-Mitarbeiterin des SFB Managing Maximilian (ÖAW) im Teilprojekt Gendering Maximilian (PI: C. Lutter, Univ. Wien). In ihrem Dissertationsprojekt untersucht sie die Hofstaaten junger Fürstinnen im frühen 16. Jahrhundert. Seit 2020 forscht und arbeitet sie zudem zur mittelalterlichen Sozial- und Geschlechtergeschichte sowie zur datenbankgestützten Erfassung mittelalterlicher Quellen.


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