Exkursion: Die Wiener Höhenstraße. Landschaftskunst. Geschichtspolitik. Motorisierung
Führung: Dr. Georg Rigele (Historiker)
19. Juni 2026, 16:00, 19., Kahlenberg-Parkplatz, Relief gegenüber der Kirche
Teilnehmer: max. 25 (Nur für Mitglieder des Vereins für Geschichte der Stadt Wien - wir überprüfen die Mitgliedschaft anhand unserer Mitgliederdatei, die Buchung von Nicht-Mitgliedern wird storniert) , Voranmeldung bis spätestens 18.6.2026 über das Anmeldeformular auf unserer Website. Sie erhalten eine Bestätigung per E-Mail.
Die Wiener Höhenstraße war ein populäres Bauprojekt der Ständestaatsdiktatur bzw. des Austrofaschismus in Wien 1934-1938. Sie steht für die Ambivalenz von Modernisierungswillen und autoritärer Politik. Bis heute werden auf dem Kahlenberg geschichtspolitische Konflikte ausgetragen. Geplant wurde die Höhenstraße von der Straßenbauabteilung des Wiener Magistrats. Für die architektonische Gestaltung war Erich Leischner verantwortlich. Dieser hatte eine lange Karriere als Architekt im Stadtbauamt vorzuweisen, die von der Monarchie bis in die 2. Republik andauerte. Die Höhenstraße wurde geschickt aus bereits vorhandenen Straßenstücken und neu trassierten Abschnitten zusammengefügt. Auch ein Teil der früheren Zahnradbahntrasse fand bei der Strecke auf den Kahlenberg Verwendung.
Im Rahmen der Exkursion werden besucht und besprochen: die frühere Bergstation der Zahnradbahn, der Kahlenberg als Erinnerungsort und seine politische Instrumentalisierung vor allem auf dem Weg zum autoritären Einparteienstaat, wichtige architektonische Elemente und Stationen der ehemaligen Panoramastraße (etwa die charakteristische Fußgängerbrücke oder die landschaftsgärtnerisch gestaltete Doppelserpentine mit Wien-Blick) sowie der Standort der früheren Engelbert-Statue, die zum Gedenken an Bundeskanzler Dollfuß 1935 eingeweiht wurde. Der Spaziergang endet am Parkplatz Kobenzl.
Länge: ca. 4,5 km, festes Schuhwerk wird empfohlen
Foto: 19., Höhenstraße / Ecke Krapfenwaldgasse, Statue des Hl. Engelbert, 1936 (Martin Gerlach jun. / Wiener Stadt- und Landesarchiv)
Zur Person
Dr. Georg Rigele, geb. 1960, hat an der Universität Wien Geschichte studiert und bei Prof. Gerhard Jagschitz über die Großglockner Hochalpenstraße und die Wiener Höhenstraße dissertiert. Von 1998 bis 2025 arbeitete er für den niederösterreichischen Landesenergieversorger EVN AG als Unternehmenshistoriker und -archivar. Im Wien Museum arbeitete er an den Ausstellungen „Großer Bahnhof“ und „Alt-Wien“ mit, am Technischen Museum Wien an der Ausstellung „Österreich baut auf“. Rigele forschte und publizierte über den Architekten Clemens Holzmeister, die Weltreise von Erzherzog Franz Ferdinand, den Marshall-Plan sowie über energiegeschichtliche Themen und die EVN bzw. das EVN-Archiv, Maria Enzersdorf.