Vortrag: “Und nun kam Hitler.” Enteignungen von Geschäftslokalen jüdischer Pächter*innen am Beispiel Wiener Gemeindebauten
Vortragende: Mag.a Jutta Fuchshuber (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien / Heeresgeschichtliches Museum Wien)
Moderation: Dr. Peter Payer
5. November 2026, 17:00, Vortragssaal des Wiener Stadt- und Landesarchivs, Gasometer D, 11., Guglgasse 14 (4. Archivgeschoß; Zugang über Gasometer A und die Mall)
Teilnehmer: max. 80 , Voranmeldung bis spätestens 5.11.2026 über das Anmeldeformular auf unserer Website. Sie erhalten eine Bestätigung per E-Mail.
Die Wiener Gemeindebauten zählten in der Zwischenkriegszeit zu den bahnbrechenden Projekten der kommunalen Wohnungs- und Sozialpolitik im „Roten Wien“. Für viele Menschen aus der Arbeiterklasse waren die Gemeindewohnungen ein sozialer Aufstieg. Errichtet wurden diese auch mit dem Gedanken einer lokalen Versorgungsinfrastruktur für das alltägliche Leben der Bewohner*innen – von Lebensmittelgeschäften, bis Friseuren über Kindergärten und Waschküchen.
Unmittelbar nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich am 12. März 1938 setzten die Ausschreitungen gegen Jüdinnen und Juden ein, die tagelang den Alltag in Wien prägten. Diese ungesetzlichen Plünderungsaktionen wurden zunächst von den NS-Behörden geduldet. Später wurden diese durch Gesetze und Erlässe nachträglich reglementiert und legitimiert. Als zentrale Enteignungsbehörde wurde im Mai 1938 die Vermögensverstelle gegründet – eine Institution ohne Vorbild im sogenannten „Altreich“. Im Juni 1938 veranlasste das Wiener Wohnungsamt die Kündigungen von mehr als 2.000 Mietverhältnissen mit Jüdinnen und Juden.
Der Vortrag beruht auf einem Forschungsprojekt des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes über die Wiener Gemeindebauten in der Zwischenkriegszeit des 20. Jahrhunderts (2022–2025). Die Ergebnisse wurden in der Publikation „Licht, Luft und Schatten. Wiener Gemeindebauten in Austrofaschismus und Nationalsozialismus“ 2026 veröffentlicht. Anhand von ausgewählten Beispielen wird im Vortrag die Enteignungen sowie die Biografien und Schicksale der ehemaligen Pächter*innen im „Goethehof“ rekonstruiert.
Abbildung:
Ausschnitt der Fassade des „Goethehofes“ im 22. Bezirk, 1931 (Foto Fotosammlung Gerlach, Wiener Stadt- und Landesarchiv)
Zur Person
Mag.a Jutta Fuchshuber, studierte Geschichte an der Universität Wien, 2014–2017 Mitarbeiterin in der Abteilung Restitutionsangelegenheiten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, 2019–2025 Provenienzforscherin an der Universität Wien und seit 2025 an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, derzeit Verwaltungspraktikantin im Heeresgeschichtlichen Museum, Vizepräsidentin des Vereins Geschichte der Stadt Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Enteignungen, NS-Zwangsarbeit und die strafrechtliche Verfolgung, NS-Täter*innenforschung, Biografieforschung.
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